Frühjahrskonzert am 06. April 2019 Von Antonie Anton

Im Zeichen von Abschied und Neubeginn stand das Frühjahrskonzert 2019 des Handharmonikaclubs „Schwarzwaldecho“ Hardt in der renovierten frühlinghaft dekorierten Arthur Bantle- Halle.  Es gab nicht nur einen Dirigentenwechsel, sondern auch die Verabschiedung eines langjährigen tragenden Mitglieds nach 66 Jahren Vereinsaktivität.. Eine Besonderheit war, dass das Hauptorchester an diesem Abend für kurze Zeit von zwei Dirigenten geleitet wurde, dem bisherigen Orchesterleiter Jürgen Bortloff und dem neuen Dirigenten Alexander Wassylenko, der aus 8 Kandidaten mit klarer Mehrheit ausgewählt wurde und seine Feuerprobe beim Debüt in Hardt mit Bravour bestand. Der neue Dirigent kam nicht allein, sondern er brachte als Konzertpartner auch das Orchester des Harmonikavereins „Edelweiß“ Wurmlingen mit, das von ihm ebenfalls geleitet wird. So wirkten beim Frühjahrskonzert 2019 insgesamt 5 Formationen und 4 musikalische Leiter mit, denn zum Jugendorchester gesellte sich noch der Kinderchor, beide unter Leitung von Stephanie Mast und die neugegründete E-Gitarrengruppe, geleitet von Patrick Gamper

Namens des Vorstandteams begrüßte die Sprecherin des leitenden Dreiergremiums, Birgit Fehrenbacher die Konzertbesucher in der gut besetzten Arthur Bantle-Halle, unter ihnen den Vorsitzenden des Bezirks Rottweil-Freudenstadt, Artur Wollensak. Birgit Fehrenbacher war es auch, die im Wechsel mit ihrer Tochter Alina durch das Programm führte.

Den ersten Konzertteil unter dem Motto Filmmusik gestaltete die stattliche Truppe der HHC-Jugend unter Leitung von Stephanie Mast, Die jungen Akkordeonisten starteten mit der bekannten Erkennungsmelodie der Star-Wars-Filme von John Williams in einer Bearbeitung von H.G.Kölz. Unterstützt wurden sie von Birgit Fehrenbacher und Dietmar Wölki. Mit alarmierenden Klängen und scharfen Signalen versetzten die Jugendlichen die Zuhörer augenblicklich in die kämpferische  Atmosphäre der Filme mit heroischen, aber auch spannungsvollen Passagen . Den Part am E-Piano, das mit Dissonanzen oft in Gegensatz zum Orchester trat, übernahm als Gastspielerin Alexandra Herzog. Mit der „Caribbean Fantasy“ von Waldemar Lang setzten die Jugendlichen die Messlatte noch höher, meisterten aber unter der exakten Leitung ihrer Dirigentin  alle Schwierigkeiten. Nach schwärmerischem Auftakt formierte sich das kriegerische Thema wie mit Hammerschlägen. Ein gesangliches Adagio mit großem Ausdruck folgte im Unisono. Über dem klopfenden Rhythmus von Unterstimmen und Schlagzeug erschien erneut in strahlendem Fortissimo das siegreiche Thema, das für Freiheit und Unabhängigkeit der Piraten stand.

Mit einer besonderen Überraschung warteten danach Evelyn Fehrenbacher (Gesang) und Patrick Gamper (Gesang und E-Gitarre) auf. Sie ernteten einen Riesenapplaus mit dem grandiosen Duett „Shallow“ aus dem Film „A star is born“ mit Lady Gaga und Bradley Cooper.

Um Spionage, Schießereien und dramatische Verfolgungsjagden ging es bei der bekannten Filmmelodie „Mission Impossible“ von Lalo Schifrin (Arr.: Martina Kluge), die Spannung und Action pur enthielt und die Nerven der Zuhörer mit fesselndem Rhythmus, spannungsgeladenen  Akkorden und atemberaubenden Läufen strapazierte.   Vierzehn Kinder in weißer Chorkleidung stellten sich danach wie Orgelpfeifen auf der Bühne auf und präsentierten Kinderlieder mal ganz anders, indem sie hinter jede traditionell gesungene Strophe einen frechen Rap desselben Inhalts setzten und Singen und Sprechgesang mit entsprechenden Bewegungen illustrierten. Chorleiterin Stephanie Mast begleitete am Cajon und mit dem Akkordeon. Fazit bei „Häschen in der Grube“: Manchmal ist der Schlaue der Dumme. Zusammen mit Sänger und Gitarrist Patrick Gamper ließen die hoffnungsvollen Gesangstalente mit Inbrunst den Song „Ich wollte nie erwachsen sein“ erklingen, sphärisch begleitet von Akkordeonklängen. Die neue E-Gitarrengruppe unter Leitung von Patrick Gamper stellte sich erstmals mit Erfolg vor mit dem Titelsong “Eye of the Tiger“  des Boxerfilms „Rocky III“. Auch die Gesangstruppe gab bei diesem Superhit mit englischem Text ihr Bestes und das stürmisch applaudierende Publikum verlangte eine Zugabe. Mit einem Dank an die Akteure und ihre beiden Leiter, die mit „ganz viel Einsatzbereitschaft, großem Können und unendlicher Geduld“ die Jugendlichen vorangebracht hätten, entließ die Moderatorin das Jugendorchester.

Zum letzten Mal dirigierte beim Auftritt des Hauptorchesters der bisherige Leiter Jürgen Bortloff das Orchester. Berufliche Gründe waren es, die in ihm im Herbst 2018 den Entschluss reifen ließen, den Taktstock bei diesem und den anderen von ihm geleiteten Orchestern niederzulegen, für den Verein erst mal ein Schock, wie Sprecherin Birgit Fehrenbacher berichtete. Doch respektiere man natürlich seine Entscheidung. Beim Stück „Rocking Affair“ von Harald Winkler gingen Dirigent und Orchester noch einmal mit scharfem Sound in rasantem Tempo aber auch schwelgerischen Klängen und virtuosen Figuren, die akrobatische Fingerfertigkeit erforderten, in die Vollen. Der beliebte Dirigent wurde von Birgit Fehrenbacher mit einer überzeugenden Laudatio entlassen. Das Debüt 2012 exzellent gemeistert, habe er mit vielen gelungenen Auftritten  und Einsätzen den Verein vielfach motiviert und ihn zu großen Erfolgen geführt. Aber auch der Spaß sei nicht zu kurz gekommen, etwa beim Probenwochenende auf der Sommerecke, wo  vor lauter Schnee kein Auto mehr zu sehen war. Tolle Highlights seien auch der Auftritt in der Szene 64 auf Einladung der Caverhill Guardians & Friends und die musikalische Umrahmung beim Bürgermeisterwechsel gewesen. Zum Dank für sein Engagement und sein erfolgreiches Wirken erhielt der scheidende Dirigent einen Geschenkkorb und ein Fotobuch mit schönen Erinnerungen.

Gespannt warteten die Zuhörer nun auf den „Neuen“. Birgit Fehrenbacher stellte Alexander Wassylenko vor als gebürtigen Ukrainer aus Donezk, wo er an der Musikschule Klavier, Klarinette und Akkordeon gelernt.und an der Fachschule für Musik in Wologda in Russland eine Ausbildung im Fachbereich Musiktheorie und Pädagogik absolviert habe. Sein Diplom im Hauptfach Dirigieren mit Schwerpunkt Orchesterleitung erwarb er an der staatlichen Hochschule für Musik in Donezk. Es folgte ein Studium mit Abschlussexamen und ein Meisterkurs für Dirigenten an der Musikakademie in Kiew. Seit April 2011 ist Alexander Wassylenko deutscher Staatsbürger. Er wohnt in Weigheim und dirigiert derzeit neben dem Hardter Akkordeonorchester noch den Harmonikaverein Wurmlingen, der beim Konzert als Partner zu Gast war sowie die Feuerwehrkapelle Pfohren. Trotz der sehr kurzen Zeit, um ein Konzertprogramm auf die Beine zu stellen, habe man es dank eines sehr unkomplizierten Miteinanders gemeinsam geschafft. Auch der bisherige Dirigent habe die Wahl Wassylenkos aus 8 Bewerbern gelobt und man folge nun dem Grundsatz: „Wenn etwas zu Ende geht, entsteht Platz für Neues“. Ohne Sentimentalität erfolgte die Übergabe des Dirigentenstabs. Jürgen Bortloff nahm in der 4. Stimme Platz und reihte sich nach Abgabe der Leitung bei seinem letzten Konzert in Hardt ganz einfach unter die Orchesterspieler ein.

Als Eröffnungsstück für seine neue Ära in Hardt hatte der neue Dirigent das vielseitige Werk „Rhapsodia Andalusia“ von Adolf Götz ausgewählt. Bei diesem Stück mit spanischem Flair und südländischem Temperament brachten die Spieler unter der umsichtigen neuen Leitung die Leidenschaft des Flamencos sowie das Feuer des Stierkampf in den Saal. Der Beifall war grandios. Dass der Schwarzwald durchaus als abenteuerliche Kulisse für ein Konzertstück taugt, bewiesen die Musikerinnen und Musiker bei der musikalischen Reise „Black Forest Travel“ von Jürgen Schmieder. Große Momente wie der fantastische Blick von einem Aussichtspunkt wechselten mit abenteuerlichen Erlebnissen mit Klangkaskaden und rhythmischem Pep oder beschaulichem Verweilen etwa im Uhrenmuseum ab, wo ein faszinierendes Klanggemälde mit tickenden Uhren geboten wurde. Mit Paprika im Musikerblut servierte das Orchester den leidenschaftlichen „Zigeunertanz“ in einem Arrangement von Paul Zaugg. Das Publikum klatschte begeistert mit.

Mit zwei ausgewählten Stücken stellte sich der Konzertpartner vor. Der Harmonikaverein „Edelweiß“ Wurmlingen steht schon länger unter der Leitung von Alexander Wassylenko und dessen erfolgreiches Wirken spiegelte sich auch in der großartigen Interpretation der dargebotenen Stücke wider. Elektrisierende Klänge leiteten den „Rojo Tango“ von Pablo Ziegler ein. Eine zündende Melodie im Tango Rhythmus mit fetziger Schlagzeug-Begleitung löste sich heraus. Die verschiedenen Registerstimmen traten in tänzerischen Dialog und vereinigten sich zum Abschluss wieder im straffen Duktus zum Tutti. Die bekannte Mundharmonika-Melodie aus dem Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ eröffnete anschließend das Medley „Morricone Special“ in einem Arrangement von M. Hennecke. Die einsame Schönheit der Prärie zeigte sich in melancholischer Zweistimmigkeit. Plötzliche Taktwechsel nach wildem Reitgalopp stellten hohe Anforderungen an das Orchester, das sich aber den Schwierigkeiten gewachsen zeigte.

Glanzvoller Höhepunkt des Konzerts war der gemeinsame Auftritt beider Akkordeonorchester im Schlussteil. Die Aufführung des Arrangements „Il Postiglione d`amore“ von K&S.Hippe nach der Originalkomposition von Alfred Bösendorfer ließ keine Wünsche offen. Nach dem heiteren Signal des Postillons folgten quirlige Passagen mit verzierter Melodik. Im Crescendo wurde der Eindruck der herannahenden Postkutsche vermittelt. Ein herrlicher Zusammenklang der „Hörner“ ließ die Zuhörer beim grandiosen Finale im Wohlklang baden. Mit einem musikalischen Spaß unter der Überschrift „Classical Nonsense Parade“ beschlossen die vereinigten Orchester das brillante Programm. Wie im Kasperletheater die Köpfe der Spielfiguren auftauchen und verschwinden, so erschienen Titel aus der klassischen und unterhaltenden Musik vom Opernklang der „Aida“ über Wiener Walzer, Can can und Sierra Madre bis zu den Holzhacker-Buam im raschen Wechsel, manchmal nacheinander, manchmal nebeneinander. Die Zuhörer honorierten diesen heiteren Schlusspunkt und das gesamte Programm mit lang anhaltendem  Applaus und ernteten dafür noch den Marsch „Böhmischer Traum“. Im Schlusswort dankte Birgit Fehrenbacher allen Beteiligten auf und hinter der Bühne, eingeschlossen die Rhythmusgruppe an den Pauken, der bewirtende Radsportverein und die Ton-und Lichttechnik-Firma Joka-Tec.

Ehrungen beim Frühjahrskonzert des HHC „Schwarzwaldecho“ Hardt

Im feierlichen Rahmen des Frühjahrskonzerts konnte Vorstandsmitglied Birgit Fehrenbacher 3 Spielerinnen des Jugendorchesters für 5 Jahre aktive Orchesterarbeit ehren. Geehrt wurden die Geschwister Laura, Hanna und Julia Dold. Sie erhielten für ihre Treue und ihr Engagement die Urkunde des Deutschen Harmonika-Verbands. Gelobt wurde insbesondere ihre nette freundliche Art. Namens des Vereins gratulierte Birgit Fehrenbacher den jungen Jubilarinnen zu dieser Auszeichnung und sprach die Hoffnung aus, dass zu den vergangenen 5 Jahren noch viele weitere im Kreise des Vereins hinzukommen.

Verabschiedung und Ehrung von Georg Jauch

Eine Ära ging zu Ende mit der Verabschiedung von „Urgestein“ Georg Jauch.  Mit ihm ging auch der einzige und letzte Spieler der diatonischen Handorgel von Bord. Die Aufgabe der Verabschiedung oblag seiner Tochter Birgit, die frei nach Udo Jürgens ihre Abschieds- und Dankrede mit dem Reim begann: „Ja, 66 Jahre hat er bei uns gespielt, 66 Jahre, hat Großartiges erzielt“ Der Beginn seiner Tätigkeit  gehe auf das Jahr 1953 zurück, wo er unter Dirigent Otto Finkbeiner in den Verein eintrat. Viele Jahre Hilfskassierer und Beisitzer habe er dann 1978 die Position des 1. Vorsitzenden von Stefan Fehrenbacher übernommen und 8 Jahre die Geschicke des Vereins geleitet. Eine seiner ersten Tat sei die Verpflichtung eines neuen Dirigenten gewesen und nach Axel Nicolaus sei der Taktstock an den Chilenen  Victor Sepulveda übergegangen, der dann 21 Jahre Orchesterleiter in Hardt war. Erlebnisreiche Konzertreisen im In- und Ausland, Doppelkonzerte, Ausflüge, Festabende und Rundfunkaufnahmen folgten. Höhepunkt war das 50-jährige Vereinsjubiläum mit Festakt und Jubiläumskonzert mit dem Akkordeonorchester Peter Frey aus der Schweiz. Nach 60 Jahren Engagement erfolgte 2013 die Verleihung der Ehrennadel des Deutschen Harmonika-Verbands in Gold. Als einer der eifrigsten Probebesucher habe er jedes Jahr ein Präsent überreicht bekommen und nicht nur seine dritte Stimme im Orchester hatte Gewicht, sondern besonders seine Stimme in der Vereinsführung. Als mehr als aktives Mitglied habe er den Begriff „aktiv“ wirklich vorgelebt. Auf Georg sei immer Verlass gewesen und nur wenige Mitglieder könnten auf eine so lange und erfolgreiche Vereinskarriere zurückblicken. Mit einem Reisegutschein und einem tollen Fotobuch verabschiedete die engagierte Tochter ihren engagierten Vater mit dem Wunsch, dass ihm der Spaß am Musizieren und die Verbundenheit mit dem Verein nicht verloren gehen mögen.

HHC-Termine

"Acht auf einen Streich"

am 12.10.2019 in Hardt
mit dem SEPPDEPPSEPTETT
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